Flashback

Redaktionsalltag anno 1994: Wie jede Woche fand im altehrwürdigen Sitzungszimmer der Berner Tageszeitung «Der Bund» das statt, was von meinen Kollegen und mir spöttisch «Morgenandacht» genannt wurde: die Redaktionskonferenz. An diesem Tag wurde sie vom damaligen stv. Chefredaktor Gustav A. Lang geleitet, und ich, frischgebackener Wirtschaftsredaktor, wunderte mich noch, zu welchem Zweck die Sitzung wohl von Fotograf Hansueli Trachsel festgehalten wurde.


Redaktionssitzung im Sitzungszimmer der Redaktion «Der Bund» an der Effingerstrasse 1 in Bern: Szene aus dem Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» von Dieter Fahrer. (Foto: Hansueli Trachsel)

Eine Antwort sollte ich heute, genau 25 Jahre später, im Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» des Schweizer Filmemachers Dieter Fahrer erhalten. Eine Szene zeigt meinen früheren Kollegen Marc Lettau beim Sichten von Archivmaterial, das wegen eines erneuten Redaktionsumzugs entsorgt werden muss. In der Hand hält er den Schnappschuss der genannten «Morgenandacht»; an der Rückwand des Raums, als Dritter von links, mein jüngeres Ich. Der Film ist ein melancholischer Blick auf die einst so stolze Schweizer Tageszeitung – und ein unerwartetes Wiedersehen mit meiner eigenen Medienvergangenheit.

Update, 22. Februar 2019: Er hat vielen meiner Artikel ihr Gesicht gegeben, und ohne seine Bilder wären sie blasse Textlein geblieben – diese Woche ist Hansueli Trachsel, dieser grandiose Presse- und Reportagefotograf, verstorben. Ein Vierteljahrhundert lang hat er die Hauptstadtzeitung «Der Bund» geprägt. Unvoreingenommen, offen und kritisch zugleich, zurückhaltend und doch voller Empathie: Er war ein Meister seines Fachs, und kaum einer hat das Bild Berns geprägt wie er. Farewell, lieber Hansueli.

Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer. Das wissen wir, wenn wir am ersten Arbeitstag des neuen Jahres im Büro sitzen, und das wussten die ersten Tüftler, die den Mitte des 19. Jahrhunderts geradezu aberwitzigen Versuch unternahmen, Töne aufzuzeichnen und wiederzugeben. Was heute als digitales Audiofile daherkommt, hatte vor 162 Jahren noch die Form einer Walze; die Bits und Bytes von heute waren einst Kratzspuren auf verrusstem Glas. Die Anfänge der Tonaufzeichnung (mp3, ogg), als Hommage für Dokublog/Mehrspur, SWR 2.


Der Phonautograph des französischen Druckers und Buchhändlers Édouard-Léon Scott de Martinville von 1857.

 
 
 
 
 
 

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Das liebe Geld

«Der eine spart, der andere braucht Geld, das er noch nicht hat. Das muss organisiert werden. Das nennt man Bank. So einfach ist das», erklärte 2008 der damalige deutsche Innen- und spätere Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview. Grosses im Kleinen zu erklären, ist die Kernaufgabe des Journalismus. Nun denn – das Jahr 2018 in Geldgeschichten, verfasst im Auftrag der LGT-Bankengruppe:

PS: Hier gibt's noch mehr Geldgeschichten. In Buchform.

Weibel, Thomas (2017): Bare Münze – Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt (eBook). Basel: Verlag Johannes Petri.

Multimediafestival

«And the winner is...»: Am Multimediafestival 2018 sind die Macherinnen und Macher der herausragendsten Multimediaproduktionen ausgezeichnet worden, die im vergangenen Studienjahr in meiner Modulfolge «Konvergent Produzieren» des Studiengangs «Multimedia Production» an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur sowie an der Hochschule der Künste Bern entstanden und im Multimediamagazin «Digezz» publiziert worden sind. Mal federleicht und heiter, mal tiefgründig und erdenschwer: Die nominierten Projekte sind Multimedia at its best.

Die hochkarätige Fachjury – Pilu Lydlow (Programmentwicklerin SRF Kultur), Nicole Lachenmeier (Graphic Designerin, Co-Founderin der Agentur YAAY) und Alumna Anna Kreidler – war um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Sie hat ihr Urteil gefällt: Je einen der begehrten «Digezz Awards» erhielt die raffinierte interaktive Reisereportage «Mallorca – abseits vom Ballermann», die feinfühligen filmischen Charakterstudien «Unter d'Huut» und die grandiose dokumentarische Graphic Novel «Journey Untold».

Die Beiträge sind von herausragender Qualität, sie sind überbordend kreativ, sie sind experimentell und im besten Sinn des Wortes innovativ. Von ihren Produzentinnen und Produzenten wird noch einiges zu sehen und zu hören sein.


Multimediafestival 2018 (von links): Jurymitglied Nicole Lachenmeier und Studienleiter Ruedi-Alexander Müller-Beyeler. (Bild: Max Eschler)

 

40 000 Sekunden Wissen


Radio: Illustration aus «Nerdcore»

Ende 2006 erhielt die Programmleitung des damaligen Schweizer Radios DRS 2 (heute Radio SRF 2 Kultur) den Auftrag, die Vermittlung von Wissen zu stärken. Eine Wissenschaftsredaktion wurde aus der Taufe gehoben, und als neues Angebot in der Morgen-Primetime liessen sich meine Programmleitungskollegen Maria Ossowski und Peter Burri ein attraktives populärwissenschaftliches Format einfallen: «100 Sekunden Wissen», eine tägliche Radiorubrik, ausgestrahlt von Montag bis Freitag um 6.20 und um 10.20 Uhr. Die Beiträge sind kleine, konzentrierte Wissensrationen für den Alltag. Am Anfang steht ein Stichwort, am Ende fundierte Erkenntnis – feuilletonistisch, pointiert und zu hören in exakt einer Minute und 40 Sekunden.

Von Anfang an war ich mit dabei, und heute wurde mein 400. Beitrag ausgestrahlt. 40 000 Sekunden1 Wissen, als Hörlexikon, als Podcast oder als Buch: Diese ersten 400 Beiträge werden noch lange nicht die letzten gewesen sein.

1 Total 11 Stunden, 6 Minuten und 40 Sekunden.

 

Apropos Sekunde (mp3, ogg):

 
 
 
 
 
 

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