Gamificate II


Pong: Illustration aus «Nerdcore»

Computerspiele sind fester Bestandteil der Alltagskultur. Die Game-Industrie macht Milliardenumsätze, und Autoren und Zeichner erschaffen immer komplexere digitale Welten. Kein Wunder, dass Computerspiele auch von der Kultur entdeckt werden. Schon vor neun Jahren hat die schweizerische Kulturstiftung Pro Helvetia Computergames zur neuen Kunstform erkoren, Seite an Seite mit Musik, bildender Kunst, Literatur und Theater. Und doch werden Gamer noch immer belächelt. Zu unrecht.

 

A propos Games:

 
 
 
 
 
 

28:29

Die Kultur entdeckt die Computerspiele (mp3), Radio SRF 2 Kultur, 30: März 2011

Gamificate I

Immer mehr Galerien, Bibliotheken, Archive und Museen publizieren ihre digitalisierten Bestände unter offenen Lizenzen. Das allein aber reicht nicht: Die Daten bleiben weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt und ungenutzt. Ein Rezept für digitalhistorische Nachhaltigkeit: Gamification. Denn Daten sind bloss Daten. Damit aus Digitalisaten Information und damit die Grundlage neuen Wissens werden kann, braucht es Kontextualisierung und Anwendung. Lagern Datenbanken und Medien ungenutzt auf Webservern, werden sie dort genauso verstauben wie ihre analogen Quellen in den Archiven.

Neue Kontexte werden von neuen Nutzern geschaffen, neue Zusammenhänge entstehen durch neue Anwendungen. Um aus Daten Information zu schöpfen, müssen Digitalisate interaktiv werden. Eine attraktive Plattform, die das leisten kann, ist das Game, als Computerspiel, als Online- oder Smartphone-App. Als Teilnehmer des Swiss Open Cultural Data Hackathon habe ich in den vergangenen vier Jahren eine ganze Reihe von Games geschaffen, die Kulturdaten ausspielen.

 

Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs habe ich der ETH Zürich daher einen Vorschlag unterbreitet: In Zusammenarbeit mit Fachhochschulen (Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur bzw. Hochschule der Künste Bern) lässt sich ein transdisziplinäres Hochschulmodul denken – reguläres Modul, Freimodul, Minor –, im Rahmen dessen Spielanwendungen entwickelt werden, die sich für eine Anwendung im archivalischen, musealen oder kommunikativen Kontext eignen. Ein solches Modul, unterrichtet von ETHZ- und Fachhochschuldozierenden und am Ende präsentiert in einer interaktiven Galerie, wäre in der Lage, Brücken zu schlagen: Zwischen Fachhochschulen und der ETHZ, zwischen Daten und Anwendern, zwischen Lehre und Kultur, zwischen Institutionen und Öffentlichkeit. À suivre.


Pacman: Illustration aus «Nerdcore»

A propos Games:

 
 
 
 
 
 

2:34

Pac Man (mp3, ogg), Radio SRF 2 Kultur, 19. September 2013

Flashback

Redaktionsalltag anno 1994: Wie jede Woche fand im altehrwürdigen Sitzungszimmer der Berner Tageszeitung «Der Bund» das statt, was von meinen Kollegen und mir spöttisch «Morgenandacht» genannt wurde: die Redaktionskonferenz. An diesem Tag wurde sie vom damaligen stv. Chefredaktor Gustav A. Lang geleitet, und ich, frischgebackener Wirtschaftsredaktor, wunderte mich noch, zu welchem Zweck die Sitzung wohl von Fotograf Hansueli Trachsel festgehalten wurde.


Redaktionssitzung im Sitzungszimmer der Redaktion «Der Bund» an der Effingerstrasse 1 in Bern: Szene aus dem Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» von Dieter Fahrer. (Foto: Hansueli Trachsel)

Eine Antwort sollte ich heute, genau 25 Jahre später, im Dokumentarfilm «Die vierte Gewalt» des Schweizer Filmemachers Dieter Fahrer erhalten. Eine Szene zeigt meinen früheren Kollegen Marc Lettau beim Sichten von Archivmaterial, das wegen eines erneuten Redaktionsumzugs entsorgt werden muss. In der Hand hält er den Schnappschuss der genannten «Morgenandacht»; an der Rückwand des Raums, als Dritter von links, mein jüngeres Ich. Der Film ist ein melancholischer Blick auf die einst so stolze Schweizer Tageszeitung – und ein unerwartetes Wiedersehen mit meiner eigenen Medienvergangenheit.

Update, 22. Februar 2019: Er hat vielen meiner Artikel ihr Gesicht gegeben, und ohne seine Bilder wären sie blasse Textlein geblieben – diese Woche ist Hansueli Trachsel, dieser grandiose Presse- und Reportagefotograf, verstorben. Ein Vierteljahrhundert lang hat er die Hauptstadtzeitung «Der Bund» geprägt. Unvoreingenommen, offen und kritisch zugleich, zurückhaltend und doch voller Empathie: Er war ein Meister seines Fachs, und kaum einer hat das Bild Berns geprägt wie er. Farewell, lieber Hansueli.

Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer. Das wissen wir, wenn wir am ersten Arbeitstag des neuen Jahres im Büro sitzen, und das wussten die ersten Tüftler, die den Mitte des 19. Jahrhunderts geradezu aberwitzigen Versuch unternahmen, Töne aufzuzeichnen und wiederzugeben. Was heute als digitales Audiofile daherkommt, hatte vor 162 Jahren noch die Form einer Walze; die Bits und Bytes von heute waren einst Kratzspuren auf verrusstem Glas. Die Anfänge der Tonaufzeichnung (mp3, ogg), als Hommage für Dokublog/Mehrspur, SWR 2.


Der Phonautograph des französischen Druckers und Buchhändlers Édouard-Léon Scott de Martinville von 1857.

 
 
 
 
 
 

4:10

Das liebe Geld

«Der eine spart, der andere braucht Geld, das er noch nicht hat. Das muss organisiert werden. Das nennt man Bank. So einfach ist das», erklärte 2008 der damalige deutsche Innen- und spätere Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview. Grosses im Kleinen zu erklären, ist die Kernaufgabe des Journalismus. Nun denn – das Jahr 2018 in Geldgeschichten, verfasst im Auftrag der LGT-Bankengruppe:

PS: Hier gibt's noch mehr Geldgeschichten. In Buchform.

Weibel, Thomas (2017): Bare Münze – Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt (eBook). Basel: Verlag Johannes Petri.

 
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