Prix Europa

Von 6. bis 12. Oktober findet in Potsdam zum 33. Mal der Prix Europa statt, das grösste europäische Medienfestival für öffentliches Radio, Fernsehen und Multimedia. Seit 21 Jahren bin ich mit dabei, mal als Referent, mal als Liveblogger, fast jedesmal als Mitglied der Online-Jury. Meine ganz persönliche Shortlist der grossartigsten Multimediaproduktionen Europas wird lang und länger.

 

Daten^7

«Daten^7 – digitales BilderLeben» lautet das Thema der Tagung, die das Prometheus-Bildarchiv am 1./2. Oktober an der Universität zu Köln veranstaltet. Im Fokus steht der gesamte Lebenszyklus digitaler Bilder: ihre Erstellung, Modellierung, Anreicherung, Analyse, Archivierung, Zurverfügungstellung und, in meinen Augen ganz besonders wichtig, ihre Nachnutzung.

Denn mit Letzterer steht es nicht zum besten. Selbst wenn sich Gedächtnisinstitutionen wie Museen, Bibliotheken, Galerien und Archive dazu entschliessen, digitale Bilder unter freien Lizenzen zu veröffentlichen, bleibt eine Nutzung dieser Bilddaten – mit Ausnahme jener durch die Wissenschaft – in den meisten Fällen aus. Ein Hauptzweck der Datenpublikation wird auf diese Weise gänzlich verfehlt.

Dabei ginge es auch anders. Daten müssen raus aus dem Haus. Bootcamps, Codecamps, Coding Contests, Roadshows, in Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten, mit Künstlerinnen und Codern, haben sich bewährt. Plattformen wie «Coding da Vinci» in Deutschland oder der Swiss Open Cultural Data Hackathon in der Schweiz sind Wundertüten, aus denen unerwartete, verblüffende Prototypen purzeln, die sich zuvor niemand hätte vorstellen können.

In Köln werde ich daher ein Plädoyer für eine Datenpublikation der etwas energischeren Art halten. Nur so lässt sich das kulturelle Potential nutzen, das in digitalen Bildern steckt. Packen wir's an.


«Letterjongg» (26.–28. Oktober 2018, Projektdokumentation im Wiki von Open Data Schweiz)

 

Ptolemäus' Universum

Die Entdeckung eines unscheinbaren Bronzeklumpens in den Überresten eines Wracks aus der Antike zeigt: Die alten Griechen waren in der Lage, analoge Computer zu bauen. Der 2100 Jahre alte Mechanismus von Antikythera war ein leistungsfähiger astronomischer Rechner. Dieser Rechner, so haben jahrzehntelange Forschungen ergeben, war ein handgetriebenes Planetarium mit einem Differenzialgetriebe aus Dutzenden von Zahnrädern, das den Lauf von Sonne und Mond vorausberechnen konnte, dazu die Sonnenfinsternisse, die Mondphasen, die Positionen der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sowie einen Kalender mit den zwölf Monaten einschliesslich des Vierjahreszyklus der olympischen Spiele.

 


Mechanismus von Antikythera: Wissenschaftlicher Nachbau von Ludwig Oechslin, früherer Direktor des Internationalen Uhrenmuseums in La-Chaux-de-Fonds. (Bild: Beat Weinmann)

Der Mechanismus von Antikythera baut auf einem Planetensystem auf, das später der Mathematiker und Geograph Claudius Ptolemäus (100-160 n. Chr.) zum sogenannten ptolemäischen Weltbild verdichten sollte. Das Theorem stellt die Erde ins Zentrum des Alls und erklärt die sichtbaren Bewegungen der Himmelskörper mit der sogenannten Epizykeltheorie. Nach dieser Theorie bewegen sich die Planeten – zusätzlich zu ihrem Umlauf um die Erde – entlang eines kleinen Kreises, des Epizykels. Nur die Epizykeltheorie vermochte schlüssig zu erklären, weshalb die Planeten auf ihrer ostwärts verlaufenden Bahn zuweilen stillzustehen und sich gar rückläufig zu bewegen scheinen.

«Back to the Greek universe» (6.-8. September 2019, Projektdokumentation im Wiki von Open Data Schweiz)

Das ptolemäische Weltbild ist mit den Erkenntnissen der modernen Physik nicht zu vereinbaren. Als mathematisches Modell aber, das die Himmelsbeobachtungen zu berechnen vermag, ist es erstaunlich konsistent und präzise. Grund genug, das Planetensystem des Ptolemäus in Virtual Reality und mithilfe des Frameworks A-Frame sowie hochauflösender Bilder der Nasa nachzubauen. Ein Klick bewegt das virtuelle Raumschiff um 18 Millionen Meilen in die gewünschte Richtung; ein Klick ganz nach oben ermöglicht einen Überblick, ein Klick ganz nach unten führt zur Erde zurück.

Die Visualisierung ist im Massstab 1:1 Milliarde gehalten; die Planeten sind der Anschaulichkeit halber um den Faktor 100 vergrössert. Dazu sind die Orbit-Zeiten auf das Einmillionfache beschleunigt, die Erdumdrehung um den Faktor 100 verlangsamt. Insgesamt soll das Modell eine Vorstellung von den staunenswerten Errungenschaften der Astronomie im 2. Jahrhundert vermitteln. Das Projekt «Back to the Greek universe» habe ich zusammen mit Cédric Sievi, Pia Viviani und Beat Estermann vom 6. bis 8. September 2019 am 5. Swiss Open Cultural Data Hackathon/mix'n'hack 2019 in Les Arsenaux, Sion, realisiert.

 

Geld regiert die Welt

Geld regiert die Welt, sagt man. Und doch machen wir uns über kaum etwas weniger Gedanken als über das liebe Geld. Dabei gäbe es so vieles, über das nachzudenken sich lohnte: Seit sechs Jahren schreibe ich für den Finanzblog der LGT-Bankengruppe Monat für Monat Geschichten über die zahllosen Seiten des Geldes. Allein dieses Jahr waren es Anschreiben lassen, Finanzkrisen und Populismus, die Migros-Wagen, Zölle und Konkurrenz, den Liechtensteiner Franken, das Kerbholz, den Preis des Glücks, die Elephant Chart und das Eigenheim aus dem Versandhauskatalog: Geld ist nicht nur zum Zahlen, sondern auch zum Staunen da.

 

Weibel, Thomas (2017): Bare Münze – Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt (eBook). Basel: Verlag Johannes Petri.

Die Videoreporter sind los

Die Jugendreporterinnen und -reporter sind los: Im Rahmen des Forschungsprojekts «Leonardo multimedial» der HTW Chur und der Hochschule der Künste Bern und in Zusammenarbeit mit dem Verein «Jurep 2.0» bilden Multimedia-Studierende Thuner Kinder im Filmen und in Videobearbeitung mit dem Smartphone aus. Die Kinder und Jugendlichen, die im Rahmen des Thuner Ferienpass-Angebots den Video-Grundkurs besucht haben, sind mit Feuereifer dabei: Bis zum 8. August entstehen täglich neue Videoreportagen, die auf Youtube und Instagram veröffentlicht werden. Vom Brieftaubenzüchter zur Solar-Grossanlage, vom Softwareentwickler zum Schlossmuseum: Von diesen jungen VJs wird noch einiges zu sehen und zu hören sein.


Die angehenden Jugendreporterinnen und -reporter und ihre Coaches im Ausbildungscontainer auf dem Thuner Aarefeldplatz.

 
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