Altiswiss

Am 30. November 2018 verabschiedete der Bundesrat die «Open Government Data»-Strategie für die Jahre 2019-2023. Diese sieht vor, dass die Bundesverwaltung ihre Daten zur freien Nutzung veröffentlicht; ausgenommen sind lediglich Bestände, bei denen ein «legitimes Schutzinteresse» überwiegt, etwa in Bereichen der öffentlichen Sicherheit oder beim Datenschutz.

Seither werden schrittweise grosse Datenbestände publiziert – ab heute zum Beispiel sind sämtliche Geodaten des Bundesamtes für Landestopografie frei erhältlich. Mit diesen Daten, darunter dem digitalen Höhenmodell oder dem Ortschaftenverzeichnis der Schweiz, lassen sich überraschende Anwendungen programmieren.


Altiswiss: Ein Höhenmesser für unterwegs, auch ohne barometrische Sensoren. (Quelle: Bundesamt für Landestopografie)

Zum Beispiel meine neue Webapp Altiswiss: Sie ermittelt den aktuellen Standort, gleicht ihn mit dem Höhenmodell ab, zeigt die interpolierte Höhe über Meer an (numerisch und analog), dazu die Koordinaten, die nächstgelegene Ortschaft (in Gelb) sowie deren Meereshöhe, Luftliniendistanz und Himmelsrichtung. Ein Höhenmesser trotz fehlender Luftdrucksensoren: Open Data macht's möglich.

 

helvetiX

helvetiX tabula interactiva est te per provinciam Helveticam ducens. helvetiX semper tecum ubicumque sis. Identificationem positionis concedis et deinde helvetiX prospectum Helvetiæ ostendet et omnia Romana oppida atque colonias exhibebit cum intervallum passorum atque translationem in linguam Helveticam. Infra est rosa ventorum quæ tuam actualem directionem ostendit.

Si non sis Romanus, sed Helveticus, supra potes quemlibet urbem aut vicum in linguam Helveticam scribere, et recte eo fereris. helvetiX tibi augurat felicem peregrinationem per splendidam Helvetiam!


Urbem helveticam quære: helvetiX (XVI.-XVII. Aprilis MMXXI, descriptio incepti in wikio datorum apertorum Helvetiæ)

PS auf Helvetisch: Das Projekt entstand im Rahmen des (in diesem Jahr von der ETH-Bibliothek ausgerichteten) Swiss Open Cultural Data Hackathon.

PPS: Mein Latein ist nicht mehr ganz so fliessend wie vor 1650 Jahren. Korrekturvorschläge sind daher hoch willkommen.

PPPS: Wer's ganz genau wissen will, findet hier die Aufzeichnung der Projektpräsentation vom 17. April.

 

Bewegliche Lettern

Journalismus ist entweder multimedial oder gar nicht: Mit dieser (zugegebenermassen pointierten) Ansicht stosse ich gestandene Kolleginnen und Kollegen noch immer vor den Kopf. Nicht so meine Studierenden am Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Sie haben sich für den Vertiefungskurs «Interaktive Medien» entschieden, der heute bereits zum zweiten Mal beginnt (Teil 1, Teil 2). Die Studierenden lernen HTML, CSS und Javascript von der Pike auf, und Ende Semester wird eine jede und ein jeder von ihnen die allererste selbstgebaute journalistische Website im Netz stehen haben.

Was vor 570 Jahren die beweglichen Lettern waren, ist heute Code. Die publizistische Leidenschaft jedoch ist dieselbe wie eh und je: Ihnen, diesen Studierenden von heute, gehört der Journalismus von morgen.

Der Ur-Laptop

Zweieinhalb Jahre ist es her, da war ich zu Gast im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums, als Kulturdaten-Hacker und Schöpfer des Onlinegames «Manesse Gammon». Heute nun erschien in diesem Blog mein erster eigener Text über eine zukunftsweisende, aber vergessene Schweizer Erfindung aus dem Jahr 1977: das Textsystem namens «Scrib», entwickelt von der EPFL und der Firma Bobst Graphic in Lausanne. Der «Scrib» war nicht nur ein Schreibcomputer avant la lettre, er war womöglich der erste Laptop der Geschichte.

PS: Der «Scrib» kann übrigens im Museum für Kommunikation in Bern besichtigt werden.

 

Bleistift

Bleistift: Illustration aus «Nerdcore»

Der 30. März ist der internationale Tag des Bleistifts: An diesem Tag im Jahr 1858 erhielt der US-Amerikaner Hymen Lipman das Patent für einen Bleistift mit einem am Ende angebrachten Radiergummi. Der Bleistift selbst ist noch viel, viel älter. Er ist so richtig altmodisch. Retro, wie das heute heisst, aber nicht auf diese hippe Art, sondern altväterisch bis ins Mark aus Graphit und Ton. Die Welt ist voll von Kugelschreibern, Computerkeyboards und Handytastaturen, doch nichts kommt an ihn heran. Der Bleistift ist und bleibt unerreicht. Eine Liebeserklärung.

 
 
 
 
 
 
 

3:40

Dieser Beitrag (mp3, ogg) entstand im Auftrag von Radio SRF 2 Kultur und wurde am 15. Juli 2015 im Rahmen der Serie «Unerreicht» (Sendung «Kultur kompakt») ausgestrahlt.

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