Meilenstein

Bauwerke der alten Römer wie das Kolosseum, das Pantheon oder das Forum romanum lassen uns noch heute staunen. Eines davon war viel unscheinbarer, doch mindestens so bedeutend, nämlich das Netz der Römerstrassen mit ihren Meilensteinen. Der Meilenstein war eine Art antiker Vorläufer des Navi. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Mechanismus von Antikythera

Als der griechische Erziehungsminister Spyridon Stais im Mai 1902 im archäologischen Nationalmuseum in Athen aus Interesse einen bis dahin noch nicht näher untersuchten, stark korrodierten Bronzeklumpen zur Hand nahm, passierte das Ungeschick: Ein Stück des Klumpens brach ab – und gab den Blick frei auf ein erstaunlich gut erhaltenes Zahnrad mit nur 1,5 Millimeter hohen Zähnen, wie man es in einem modernen Uhrwerk vermuten würde. Indes, der Klumpen stammte aus dem Wrack eines antiken Beuteschiffs, das ums Jahr 70 v. Chr. in einer Bucht der griechischen Insel Antikythera gesunken und 1900 von Schwammtauchern entdeckt worden war.


Der Mechanismus von Antikythera als digitaler Nachbau.

Ein Präzisionszahnrad aus der Antike, das war für die Wissenschaft ein regelrechter Schock. Heute, 120 Jahre intensiver Forschung später, weiss man: Schon vor 2100 Jahren bauten griechische Astronomen Getriebe mit Dutzenden von Zahnrädern, die den Lauf von Sonne und Mond vorausberechnen konnten, dazu die Mondphasen, Sonnen- und Mondfinsternisse sowie den Kalender mit Schaltjahren und Olympiadenzyklus. (Mein neuer Beitrag im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums und auf Watson.)

Der antike Apparat ist so faszinierend, dass er als Zeitmaschine gar eine Hauptrolle im neuesten Indiana-Jones-Film bekommen hat. Es gibt heute Nachbauten aus Metall, aus Plexiglas, als Software und als App, in Form von Animationsvideos und sogar in Lego Technic. Ich habe den Mechanismus von Antikythera ebenfalls nachgebaut, allerdings erstmals als interaktive 2D-Visualisierung in Form einer Webseite. Der astronomische Rechner aus dem antiken Griechenland für jedermann, zum Erkunden und zum Staunen.

 

Prix Europa

Von 22. bis 27. Oktober findet in Potsdam zum 37. Mal der Prix Europa statt, das grösste europäische Medienfestival für Radio, Fernsehen und Multimedia. Seit 25 Jahren bin ich mit dabei, mal als Referent, mal als Liveblogger, fast jedesmal als Mitglied der Digital-Media-Jury. Meine ganz persönliche Shortlist der grossartigsten Multimediaproduktionen Europas wird lang und länger.


Die Digital-Media-Jury im Haus des Rundfunks, Berlin.

 

Bücherrad

Wir googeln und surfen, und irgendwann haben wir so viele Browsertabs geöffnet, dass wir nichts mehr finden können. Offene Tabs sind heute mehr Fluch als Segen, doch in der Renaissance haben Gelehrte von genau so etwas geträumt – und erfanden das Bücherrad, eine Art Kindle des 16. Jahrhunderts. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Polstab

«Mach es wie die Sonnenuhr, zähl‘ die heit’ren Stunden nur»: Diesen Vers haben wir als Kinder in Poesiealben geschrieben und mit mehr oder weniger kunstvoll gemalten Sonnen verziert. Sonnenuhren haben einen Stab, der einen Schatten auf das Zifferblatt wirft. Dieser Stab heisst bei heutigen Sonnenuhren «Polstab», und dieser Polstab war eine kleine Revolution der Zeitmessung. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Ra

Im Jahr 2013 entdeckte ein Grabungsteam der Universität Basel im Tal der Könige, Ägypten, ein flaches, 18 mal 16 cm grosses Kalksteinstück, das auf der Vorderseite eine mit dem Pinsel aufgemalte Sonnenuhr trug. Am Scheitelpunkt befindet sich eine Bohrung mit einem Durchmesser von 6 mm, die einst den Schattenwerfer trug, einen Stab aus Holz oder Metall. Die Uhr wurde von Arbeitern hergestellt, die mit Malerarbeiten in den nahegelegenen Gräbern hochgesteller Persönlichkten beschäftigt waren. Die Sonnenuhr stammt aus der Zeit um 1200 v. Chr. und ist damit die wohl älteste der Welt.


Die altägyptische Sonnenuhr als interaktive Animation mit dem Namen des Sonnengottes «Ra».

Forschungen zeigen, dass die aufgemalten Stundenlinien nur in drei Fällen mit der heutigen äquinoktialen Zeiteinteilung übereinstimmen, nämlich bei 11, 12, und 14 Uhr – über die Gründe für diese Diskrepanzen ist eine wissenschaftliche Kontroverse entbrannt. Dennoch lässt dieser spektakuläre Fund zwei Schlussfolgerungen zu:

  • Die Sonnenuhr musste zwecks möglichst genauer Anzeige an einer exakt nach Süden ausgerichteten Wand aufgestellt oder aufgehängt werden und war damit für alle einsehbar. Dies zeigt, dass Arbeitern im alten Ägypten durchaus gewisse Rechte zustanden, weil ein ausbeuterisches Regime darauf bedacht gewesen wäre, die Kontrolle über die Arbeitszeiten nicht aus der Hand zu geben.
  • Die Anzeigegenauigkeit im Bereich zwischen Mittag und zwei Uhr könnte auf die Arbeitspause zu einer Zeit hindeuten, in der die Temperaturen im Tal der Könige für produktive Arbeit zu hoch sind und in der die Arbeiter den Schatten der nahegelegenen Hütten aufgesucht haben. Die Sonnenuhr wäre damit ein erstes Beispiel einer Form von Arbeitszeitregulierung.


Coding in der Bibliothek des Musée ethnographique de Genève. (Bild: Jonas Lendenmann)

Dieser Sonnenuhr habe ich anlässlich des Swiss Open Cultural Data Hackathon im Musée ethnographique de Genève ihre einstige Funktion zurückgegeben. Der virtuelle Schattenwurf des Projekts Ra (mit dem Namen des altägyptischen Sonnengottes) zeigt die genaue Uhrzeit an; hieroglyphische Buttons erlauben das Ein- und Ausblenden der Animation bzw. eine Ansicht von Vorder- und Rückseite, das Umschalten in die verschiedenen astronomischen Modi sowie die Anzeige von Zahlzeichen in verschiedenen Sprachen. Auf dass diesem 3200 Jahre alten Zeitmesser noch ein langes Leben beschieden sei.

 

Sakko

Auf Deutsch heisst er «Jackett», auf Schweizerdeutsch etwas weniger vornehm «Tschoope» – doch in der Modebranche heisst der Kittel «Sakko». Der Sakko ist sportlich-elegant, wird zur Anzughose oder zu Jeans getragen, zu Leder- oder Turnschuhen, offen oder geschlossen - und wenn, dann mit einem (und nur einem) Knopf. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 
 
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