Tschernobyl

32 Jahre ist es her, dass ich als einer der ersten Schweizer Journalisten vor Ort aus Tschernobyl in der Ukraine berichtet habe. Eine drei Seiten grosse Zeitungsreportage im damaligen «Thuner Tagblatt» sollte es werden – «Der Sarkophag von Tschernobyl», «Das Riesenrad von Pripjat» und «Die Kinder von Polesskoje».

Unfassbar, dass nach der Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986 dort nun auch ein europäischer Krieg tobt.


Ein junger Journalist meines Namens und die Mitglieder der nationalrätlichen Geschäftsprüfungskommission (GPK) Rosmarie Bär, Peter Bodenmann, Elmar Ledergerber, Walter Biel, Paul Günter (von links) im August 1990 vor dem Unglücksreaktor. (Bild: Beat Bieler)

Peilkompass

Dass Webseiten mehr können als bloss Text oder Bilder anzeigen, ist eine Binsenwahrheit. Die lange belächelte Skriptsprache Javascript treibt heute Anwendungen an, die man einer einfachen Webpage nicht so ohne weiteres zutrauen würde. Eine solche Anwendung ist der Peilkompass: Dank seiner Präzisions-Windrose und seiner Peilvorrichtung diente er lange Zeit zur Positionsbestimmung auf hoher See mithilfe der Küstennavigation oder zur Landesvermessung mittels Triangulation.


Nordwestturm des Basler Münsters auf 221,6 Grad: Peilkompass, bestehend aus HTML, CSS und Javascript.

Ein solcher Peilkompass lässt sich auch als mobile Webapp nachbauen: Dazu reichen eine passende Windrosengrafik sowie eine 4 Kilobyte kleine Datei, welche die Frontkamera des Smartphones aktiviert und die augenblickliche Kompassrichtung in Dezimalgraden anzeigt. HTML 5 (und einige zur Zeit noch experimentelle Javascript-Methoden) machen das Handy zum Navigationsinstrument.

 

Franken in Liechtenstein

«Die ausschliesslich gesetzliche Währung ist der Schweizerfranken als Liechtensteiner Franken. Als gesetzliches Zahlungsmittel gelten diejenigen Münzen, Banknoten und andern Zahlungsmittel, welche in der Schweiz jeweils als gesetzliche Zahlungsmittel anerkannt sind», gab das «Liechtensteiner Volksblatt» am 3. Mai 1924 bekannt: Nach Jahren der Hyperinflation wandte sich das Fürstentum Liechtenstein von der österreichischen Krone ab und führte per Gesetz die Schweizer Landeswährung ein. Mein neuer Text im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums.


«Liechtensteiner Volksblatt», 3. Mai 1924, Seite 2. (Bild: Liechtensteinische Landesbibliothek)

Fisher Yates Shuffle

Viele Computergames (wie etwa das Spiel «Letterjongg», das ich 2018 im Rahmen des Swiss Open Cultural Data Hackathon programmiert habe) benötigen eine Routine, die n Elemente zufällig mischt. Nun gehört ein shuffle-Algorithmus nicht zum Standardrepertoire der Websprache Javascript, sondern lediglich die Methode random() des Math-Objekts. Wie also findet eine Zufallszahl zwischen 0 und 1 den Weg zum zufälligen Mischen von Spielsteinen oder -karten?

Eine elegante Antwort formulierten 1948 die beiden britischen Mathematiker und Statistiker Ronald Fisher und Frank Yates in ihrem Standardwerk Statistical tables for biological, agricultural and medical research (3. Auflage S. 26f., bzw. 6. Auflage S. 37f.). Ihr Verfahren: Wähle zufallsbasiert ein Element eines geordneten Arrays von n Elementen und vertausche es anschliessend mit dem letzten Arrayelement. Wähle anschliessend ein weiteres Zufallselement, diesmal allerdings aus der Menge n-1, und vertausche es mit dem zweitletzten Arrayelement. Wiederhole die Prozedur sinngemäss bis zu den letzten zwei verbleibenden Elementen.

Als Beispiel dient ein Array mit der Buchstabenfolge A B C D. Eine Zufallsauswahl ergibt zum Beispiel B, das mit dem letzten Element D vertauscht wird und A D C B ergibt (vertauschte Elemente unterstrichen). Eine Zufallsauswahl aus den ersten drei Elementen ergibt A, was durch einen Tausch mit dem zweitletzten Element zu C D A B führt. Eine weitere Wahl aus zwei Elementen ergibt C, und der letzte Tausch, diesmal mit dem drittletzten Element, führt zum (nun zufallsbasierten) Endergebnis D C A B.

Gegeben sei also ein geordneter Array arr=[0,1,2...n]. Für das zyklische Verfahren benötigen wir eine n-1-mal drehende Schleife, deren Zähler i wir für einmal rückwärts ablaufen lassen. Innerhalb der Schleife wählen wir mittels der Methode Math.random()*n (bzw. in der Folge *n-1, *n-2 usw.) zufällig eine Zahl aus, runden sie mittels Math.floor() auf die nächste ganze Zahl ab und speichern sie in der Variablen j. Schliesslich vertauschen wir die jeweilige Zufallsauswahl mit dem letzten (zweitletzten, drittletzten etc.) Arrayelement arr[i-1] mittels der Variablen k als Zwischenspeicher. Das Ergebnis

function shuffle(n) {
  for (i=n; i>0; i--) {
    var j=Math.floor(Math.random()*i);

    var k=arr[i-1];
    arr[i-1]=arr[j];
    arr[j]=k;
  }
}

oder, noch einfacher, als Pfeilfunktion mit destructuring assignment,

shuffle=n=> {
  for (i=n; i>0; i--) {
    let j=Math.floor(Math.random()*i);
    [arr[j],arr[i-1]]=[arr[i-1],arr[j]];
  }
};

wird nun jeden geordneten Array arr mit n Elementen zufällig neu anordnen, wie das Beispiel «Letterjongg» zeigt.

 

2200 Sekunden

Ende 2006 erhielt die Programmleitung des damaligen Schweizer Radios DRS 2 (heute Radio SRF 2 Kultur) den Auftrag, die Vermittlung von Wissen zu stärken. Eine Wissenschaftsredaktion wurde aus der Taufe gehoben, und als neues Angebot in der Morgen-Primetime liessen sich meine Programmleitungskollegen Maria Ossowski und Peter Burri ein attraktives populärwissenschaftliches Format einfallen: «100 Sekunden Wissen», eine tägliche Radiorubrik, ausgestrahlt von Montag bis Freitag um 6.55 und um 10.20 Uhr.

Seit dem Anfang ich mit dabei, bis auf den heutigen Tag. 2021 gab's insgesamt 2200 Sekunden Wissen aus meiner Feder: von gebrochenen Preisen, Nadeln und Panzerknackern über das Schweizer-Käse-Modell, den Marshmallow-Test und den Faradayschen Käfig bis hin zur Tinte, dem Flipperkasten und dem Hashtag.

Apropos Sekunde:

 
 
 
 
 
 

2:01

Dieser Beitrag (mp3, ogg) entstand im Auftrag von Radio SRF 2 Kultur und wurde am 10. Juli 2013 in der Rubrik «100 Sekunden Wissen» ausgestrahlt.

 
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