Was es über Geld zu wissen gibt

Genau ein Jahr ist es her, dass mein Buch «Bare Münze – Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt» in der Basler Buchhandlung «Narrenschiff» getauft worden ist. Das «Narrenschiff» schliesst am 18. Mai seine Tore, doch mein Buch gibt's nach wie vor: als Buch, als E-Book und natürlich als Blog – mit vielen neuen Geschichten*.


Buchtaufe am 3. Mai 2017 in der Basler Buchhandlung «Narrenschiff». (Bild: Laurent Gachnang)

*...über die Ticker Tape Parades, Blockbusting, Winston Churchill, den Eiffelturm, Blasen, die Null, den CFA-Franc, Swissloop, die Fokussierungs-Illusion, die Parkuhr, Vermögenspreisinflation, Latrinensteuern, Cum-ex-Geschäfte, Neurofinanz, Geld per SMS, das Wunder von Wörgl, die Registrierkasse, Zinsen und Inflationsziele.

Schweizer Bahnhofsuhr

Von Bundeshaus bis Matterhorn: Die Schweiz hat mehr Wahrzeichen, als man meinen möchte. Und doch: An eines davon denken wir nie. Das ist erstaunlich, denn wir bekommen es täglich zu Gesicht – die Schweizer Bahnhofsuhr.

Replika der Schweizer Bahnhofsuhr mit ihrem charakteristischen Sekundenstopp bei 12 Uhr und federndem Minutensprung, als single page application programmiert in weniger als 5 Kilobyte HTML 5.

I han en Uhr erfunde, wo geng nach zwone Stunde blybt stah.

Die Uhr des Berner Liedermachers Mani Matter, die immer wieder stehenbleibt, hatte ein Vorbild: Die Schweizer Bahnhofsuhr. Sie ziert in vielfacher Ausführung jeden Bahnhof der SBB. Erfunden wurde sie 1944, vom Ingenieur und Selfmade-Designer Hans Hilfiker. Hilfiker erfand am laufenden Band: Allein für die SBB entwarf er Spezialkräne, Perrondächer, Fahrplanprojektoren und ganze Dienstgebäude.

Seine Uhr war ein radikaler Bruch mit den verschnörkelten Zifferblättern aus der Zeit des Jugendstils: Weisser Hintergrund, eine Minuteneinteilung aus strengen Rechtecken, schwarze Zeigerbalken, ein schlanker roter Sekundenzeiger mit einer roten Scheibe, die an die Kelle des Bahnhofsvorstehers erinnert und das sekundengenaue Ablesen der Uhr auch aus Distanz ermöglicht. Hilfikers Design war so elegant, zeitlos und funktional, dass sich heute fast alle Bahnhofsuhren der Welt daran orientieren.

«I han en Uhr erfunde, wo geng nach sächzg Sekunde blybt stah»: Wie in Mani Matters Lied bleibt auch Hilfikers Bahnhofsuhr immer wieder stehen, jede Minute einmal: Immer bei exakt null Sekunden gibt die Hauptuhr einen elektrischen Impuls und stellt so die Ganggenauigkeit aller Bahnhofsuhren sicher. Weil eine sekundengenaue Synchronisation bei der Einführung 1947 noch nicht möglich war, läuft der Sekundenzeiger immer ein bisschen zu schnell, legt dann auf zwölf Uhr eine kleine Pause ein und wartet rund eineinhalb Sekunden lang auf das Signal zum Weiterdrehen. Bis auf den heutigen Tag.

 
 
 

Rock the city

Rock the city: Im zum Bersten vollen Club Sous-sol, Fribourg, haben «Blues Green» einmal mehr die Stadt gerockt. Mustang Sally, guess you better slow your mustang down.

 
 
 

Am Anfang war die Geschichte

Am 22./23. März ging in den Studios des finnischen Rundfunks YLE in Helsinki das zweite internationale Festival of Digital Narratives über die Bühne. Das Festival unter dem Patronat von Nordvision, 2017 vom dänischen Online-Vordenker Kåre V. Poulsen ins Leben gerufen, versammelt 250 der kreativsten Köpfe der nordeuropäischen Fernseh-, Radio- und Onlineszene und bietet jedes Jahr ein Showcase der innovativsten, originellsten, tiefgründigsten Multimediaproduktionen der Welt.

Meine Aufgabe war es, in einer Eröffnungs-Keynote unter dem Titel «A History of Digital Narratives in Media» (pdf) eine kleine Geschichte des multimedialen Storytellings zu entwerfen – in neun subjektiv ausgewählten, herausragenden Projekten: «Gaza Sderot» (Arte, 2008), «Prison Valley» (Arte, 2010), «À l' abri de rien» (Arte Radio, 2011), «360 Grad Langstrasse» (SRF, 2011), «Snow Fall» (New York Times, 2012) und «Notes on Blindness» (Arte, 2016). Dazu kamen drei Produktionen meiner Studierenden, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen: «Ein Königreich macht Schule» (2015), «Yona» (2017) und «Journey Untold» (2017/2018).

Diese drei Studierendenprojekte kehren, jedes auf seine Weise, zum Kern des Medienschaffens zurück: Journalismus, der Geschichten erzählt, mit wachem Blick für Ungleichgewichte in der Welt und mit einem untrüglichen Sinn für das Bedeutungsvolle, poetisch, tiefgründig und mit Leidenschaft. Es sind Produktionen wie diese, die mich – und mit mir Medienmacher der ganzen Welt – staunen und lernen lassen.


Aufgetürmte Backsteine als Metapher für das prekäre Online-Newsgeschäft: Eröffnungs-Keynote am zweiten internationalen Festival of Digital Narratives, Helsinki. (Bild: Raimo Lång)

Sechs Jahre Digezz


Digezz, das Multimediamagazin des Studiengangs «Multimedia Production»/Media Engineering der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur sowie der Berner Fachhochschule.

Nach einer längeren Versuchsphase ging vor genau sechs Jahren das Multimediamagazin Digezz in seiner heutigen Form an den Start. Digezz, von englisch «to digest» und «Jazz», ist eine Plattform des Studiengangs Multimedia Production/Media Engineering der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur sowie der Berner Fachhochschule (joint degree). Auf Digezz publizieren meine Studierenden multimediale Magazinartikel in allen Verbreitungsmedien, von Text und Foto bis hin zu Apps und interaktiven Filmen, für ein junges Publikum, das sich für Medien interessiert, aber darüber hinaus auch für alle, die wissen wollen, wie die innovatives Storytelling aussehen könnte.

Denn das wird – erstaunlich genug – nur selten von etablierten Medienunternehmen gestaltet. Vorangetrieben wird die Entwicklung vielmehr von unabhängigen, leidenschaftlichen, versponnenen und überbordend kreativen Produzentinnen und Produzenten, die es schaffen, sich von Althergebrachtem zu lösen, um neue, nie gesehene Formen zu finden. Auf diese Weise entstehen auf Digezz experimentelle Formate, von denen die Medien einiges lernen können: Die Krimiserie «Cassian» etwa, der interaktive Film «Was bleibt», der Generation-Y-Blog «Kreisch», der 2,5D-Comic «Die Kirschtorte», die multimediale Graphic Novel «Journey Untold», die Virtual-Reality-Dystopie «Yona».

Jeder dieser Beiträge versetzt sein Publikum in Staunen. Jede dieser Produktionen wird von ihren Filmerinnen und Textern, Programmiererinnen und Fotografen, Zeichnerinnen und Designern öffentlich einsehbar auf Stärken und Schwächen, auf Gelingen und Misslingen hin reflektiert. Auf diese Weise bahnen sie alle, Beitrag für Beitrag, einen Weg in eine vielfältigere, buntere, lebendigere Medienzukunft.

 
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