Ra

Im Jahr 2013 entdeckte ein Grabungsteam der Universität Basel im Tal der Könige, Ägypten, ein flaches, 18 mal 16 cm grosses Kalksteinstück, das auf der Vorderseite eine mit dem Pinsel aufgemalte Sonnenuhr trug. Am Scheitelpunkt befindet sich eine Bohrung mit einem Durchmesser von 6 mm, die einst den Schattenwerfer trug, einen Stab aus Holz oder Metall. Die Uhr wurde von Arbeitern hergestellt, die mit Malerarbeiten in den nahegelegenen Gräbern hochgesteller Persönlichkten beschäftigt waren. Die Sonnenuhr stammt aus der Zeit um 1200 v. Chr. und ist damit die wohl älteste der Welt.


Die altägyptische Sonnenuhr als interaktive Animation mit dem Namen des Sonnengottes «Ra».

Forschungen zeigen, dass die aufgemalten Stundenlinien nur in drei Fällen mit der heutigen äquinoktialen Zeiteinteilung übereinstimmen, nämlich bei 11, 12, und 14 Uhr – über die Gründe für diese Diskrepanzen ist eine wissenschaftliche Kontroverse entbrannt. Dennoch lässt dieser spektakuläre Fund zwei Schlussfolgerungen zu:

  • Die Sonnenuhr musste zwecks möglichst genauer Anzeige an einer exakt nach Süden ausgerichteten Wand aufgestellt oder aufgehängt werden und war damit für alle einsehbar. Dies zeigt, dass Arbeitern im alten Ägypten durchaus gewisse Rechte zustanden, weil ein ausbeuterisches Regime darauf bedacht gewesen wäre, die Kontrolle über die Arbeitszeiten nicht aus der Hand zu geben.
  • Die Anzeigegenauigkeit im Bereich zwischen Mittag und zwei Uhr könnte auf die Arbeitspause zu einer Zeit hindeuten, in der die Temperaturen im Tal der Könige für produktive Arbeit zu hoch sind und in der die Arbeiter den Schatten der nahegelegenen Hütten aufgesucht haben. Die Sonnenuhr wäre damit ein erstes Beispiel einer Form von Arbeitszeitregulierung.


Coding in der Bibliothek des Musée ethnographique de Genève. (Bild: Jonas Lendenmann)

Dieser Sonnenuhr habe ich anlässlich des Swiss Open Cultural Data Hackathon im Musée ethnographique de Genève ihre einstige Funktion zurückgegeben. Der virtuelle Schattenwurf des Projekts Ra (mit dem Namen des altägyptischen Sonnengottes) zeigt die genaue Uhrzeit an; hieroglyphische Buttons erlauben das Ein- und Ausblenden der Animation bzw. eine Ansicht von Vorder- und Rückseite, das Umschalten in die verschiedenen astronomischen Modi sowie die Anzeige von Zahlzeichen in verschiedenen Sprachen. Auf dass diesem 3200 Jahre alten Zeitmesser noch ein langes Leben beschieden sei.

 

Sakko

Auf Deutsch heisst er «Jackett», auf Schweizerdeutsch etwas weniger vornehm «Tschoope» – doch in der Modebranche heisst der Kittel «Sakko». Der Sakko ist sportlich-elegant, wird zur Anzughose oder zu Jeans getragen, zu Leder- oder Turnschuhen, offen oder geschlossen - und wenn, dann mit einem (und nur einem) Knopf. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Showtime, again

Nach meinem Höhenmesser Altiswiss ist nun auch meine VR-Webapp swisspeaX in den Showcase-Katalog von opendata.swiss aufgenommen worden, der Datenplattform des Bundes und der Kantone. swisspeaX bildet die gesamte Schweizer Topografie auf einer mobilen Website dreidimensional nach, so wie sie der Nutzer an seinem aktuellen Standort sehen kann. Lässt man die GPS-Lokalisierung zu, stellt swisspeaX die Landschaft höhen- und lagerichtig dar und blendet die Namen aller nahegelegenen Ortschaften, Gewässer, Hügel sowie Berggipfel (jeweils einschliesslich Distanz und Meereshöhe) ein. Eine Suchfunktion erlaubt das Navigieren in jede beliebige Ortschaft der Schweiz, ein freies Navigieren in 1-km-Schritten oder eine Rundumsicht aus 10 000 m Höhe ist ebenfalls möglich.


Webapp swisspeaX: Virtuelle Aussicht vom Jungfraujoch in Richtung Norden.

swisspeaX basiert auf dem quelloffenen Javascript-Framework A-Frame und auf offenen Geodaten des Bundesamtes für Landestopografie. Ein ganzes Land in Virtual Reality im Massstab 1:1, auf Desktop, Tablet oder Handy: Offenen Daten gehört die Welt. Und ganz bestimmt die Schweiz.

 

Gros

Ein halbes Dutzend Eier, oder doch besser gleich ein ganzes? Das Dutzend als Zählmass ist uns sehr vertraut. Seine grosse Schwester dagegen, das Gros, ist weitgehend vergessen gegangen. Es sei denn, wir kaufen in der Migros ein. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Latènezeit

In Hauterive bei Neuenburg steht das Archäologiemuseum «Laténium». Sein Name kommt von der nahegelegenen Gemeinde La Tène – dort entdeckte der Fischer Hans Kopp Mitte des 19. Jahrhunderts bedeutende Überreste aus der Zeit der Kelten. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Mahjongg Solitaire

21 Jahre ist es her, da unternahm ich meine ersten Gehversuche in Javascript und dynamischem HTML. Aus meinem Game-Erstling von 2002 mit dem chinesischen Namen Mahjongg ist, über die Jahre und Zeile für Zeile, die Spieleseite Mahjongg Solitaire Games mit ihren zeitweilig bis zu 20 eigenhändig programmierten Games geworden.


Das Onlinespiel Mahjongg Solitaire ging am 26. September 2002 online und wurde seither über 70 Millionen Mal gespielt.

Das Spiel Mahjongg Solitaire, 1981 vom querschnittgelähmten Physiker Brodie Lockard auf einem PLATO-Hochschulrechner an der Universität von Illinois entwickelt und 1986 von Activision unter dem Namen «Shanghai» auf den Markt gebracht, war lange Zeit das meistgespielte casual game der Welt. Per Ende Juli habe ich mein Spieleprojekt von damals nun an den belgischen Spieleunternehmer Tomas Mertens verkauft. Aber ich bin sicher, der Site wird noch ein langes Leben beschieden sein.

PS: Weil ich nach wie vor an Brodie Lockards Erfindung von 1981 hänge, halte ich von Zeit zu Zeit eine Vorlesung darüber. Und spiele unverdrossen weiter.

Notnagel

Ein Notnagel, sagt der Duden, ist jemand oder etwas, mit dem man in einer Notlage vorlieb nehmen muss. Er ist bloss ein Lückenbüsser oder Ersatz – aber: Den Notnagel gab es wirklich. Und er konnte Leben retten. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 
 
1 ... 4 5 6 7 8 ... 41
 

Weiter zu Youtube? Lesen Sie dazu die Datenschutzerklärung.