Rechner aus dem Drucker

Meton von Athen war ein griechischer Mathematiker und Astronom des 5. Jh. v. Chr. Über ihn ist bekannt, dass er eine grosse Sonnenuhr errichtet haben soll, deren Fundamentreste noch heute besichtigt werden können. Weil von Meton aber keinerlei Schriften erhalten geblieben sind, weiss man wenig über ihn – ausser dass er sich, wie alle Wissenschaftler seiner Zeit, mit dem bereits im alten Babylon bekannten (und heute nach ihm benannten) Zyklus befasst hat, der die Sonnen- mit den Mondjahren synchronisiert.

Mit Sonne und Mond ist es nämlich so eine Sache. Das Jahr mit seinen 365.242 Tagen lässt sich rechnerisch mit den Mondphasen und ihrer Dauer von 29.53 Tagen nur schwer in Beziehung setzen. Die Entdeckung des sogenannten Meton-Zyklus sollte das ändern: Im 8. Jahrhundert v. Chr. erkannten Astronomen in Babylon, dass sich der Zeitpunkt von Neu- oder Vollmond alle 19 Jahre wiederholt. Mit anderen Worten: Alle 19 Jahre zeigt der Mond zum selben Zeitpunkt des Jahres dieselbe Gestalt. Der letzte Vollmond dieses Jahres ist am 5. Dezember, genauso wie 19 Jahre zuvor, am 5. Dezember 2006, und ebenso in 19 Jahren, am 5. Dezember 2044. Der Zeitraum von 19 Jahren entspricht dabei fast exakt der Dauer von 235 ganzen Mondphasen, die in der Sprache der Astronomie Mondmonate oder synodische Zyklen heissen.

Mit dem Zahlenverhältnis 23519 (235 Mondmonate19 Jahre = 12.368421… Mondmonate pro Jahr) war zwar schon viel gewonnen, doch das Rechnen blieb kompliziert. Das änderte sich im 2. Jahrhundert v. Chr., als es griechischen Wissenschaftlern gelang, die Mondzyklen mit dem sogenannten Mechanismus von Antikythera zu mechanisieren. Mein digitales Projekt «Meton» besteht aus einem von diesem antiken Getriebe inspirierten virtuellen Mechanismus, der mittels Zahnradübersetzungen den synodischen (und den drakonitischen) Zyklus abbildet und so die aktuelle Mondphase simuliert. Buttons erlauben das Berechnen von Neu- und Vollmonden (und von Sonnen- und Mondfinsternissen) in Vergangenheit und Zukunft.

Mein virtuell mechanischer Mondphasenrechner Meton ist mittlerweile auch real geworden – als physisches Modell aus dem 3D-Drucker in der Grösse von 9×12 Zentimetern und mit einem Zahnradgetriebe, das mit den Verhältnissen 23519 = 4714 × 7019 exakt den antiken Grundsätzen folgt und so eine Genauigkeit von nur einem Tag Abweichung in 220 Jahren erreicht. Einmal Antike retour, einmal digital und zurück: «Meton» zeigt anschaulich, wie aus einem Onlineprojekt am Ende gar ein mechanischer Rechner werden kann.


Mechanischer Mondphasenrechner «Meton»: Konstruktion...


...und aus dem 3D-Drucker.

 

PS: Und weil das ganze Projekt mit Open-Source-Werkzeugen erstellt wurde, soll auch das Ergebnis Open Data sein: Auf Sketchfab (oder hier) lässt sich das 3D-Modell des Mondphasenrechners «Meton» herunterladen.

Alles neu

Alles neu macht der April: Auf ihre alten Tage – die Band haben wir 1986 gegründet – erhalten Blues Green ein neues Logo und eine neue Bandwebsite. Minimalistisch und mit grossartigen Schwarzweissfotos des Freiburger Fotografen Patrick Caloz: Auf dass der Band weiterhin ein langes Leben beschert sei.

Neues Logo, neue Bandwebsite: Blues Green.

 

Stein des Anstosses

Wenn wir uns über etwas ärgern, dann nennt man den Grund dafür den «Stein des Anstosses». Diese Steine gab es tatsächlich, und Steine des Anstosses waren lange Zeit ein fester Bestandteil von Stadthäusern. Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Back to the Future

Sei es die Visualisierung des ptolemäischen Kosmos, das heliozentrische Modell des Kopernikus, die Animation der ersten bekannten Vertikalsonnenuhr oder die Visualisierung des Meton-Zyklus: In den letzten Jahren habe ich eine ganze Reihe von Projekten im Bereich der Wissenschaftsgeschichte und der Archäoastronomie realisiert. Meine virtuelle Rekonstruktion des Mechanismus von Antikythera nun habe ich auf Einladung des Netzwerks «EVA International» (Electronic Media & Visual Arts) anlässlich der EVA Berlin Conference von 12.–14. März 2025 im Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut vorgestellt.


Der
Mechanismus von Antikythera als Nachbau in Web-VR.

Open Data, Open-Source-Software und webbasierte Virtual Reality sind effektive Instrumente, Artefakte der Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen und, in interaktiver Form, einer weltweiten Forschungsgemeinde zugänglich zu machen. Apropos Open Data: Mein animiertes Modell des Mechanismus von Antikythera steht auf Sketchfab zum freien Download.

 

Akademisches Viertel

Erstes Semester, erste Vorlesung, pünktlich da, aber kein Professor weit und breit. Der kommt am Ende doch, aber eine geschlagene Viertelstunde zu spät. Das ist nicht etwa unhöflich, sondern nennt sich «akademisches Viertel». Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Blaumachen

Wer heute, an einem normalen Arbeitstag, der Arbeit fernbleibt und schwänzt, der macht blau. Warum wir nicht rot oder grün machen, hat mit einem alten Handwerk zu tun, dem der Färber nämlich. Von Freizeit bis Färberwaid: Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Erste und letzte Male

A night to remember: Gestern abend traten Blues Green zum ersten Mal in der alten Moschti Mühlethurnen auf. Wir haben die Moschti gerockt, dass es eine wahre Freude war, wenngleich mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Zum letzten Mal war Sängerin Barbara Andrey mit dabei, die künftig musikalisch andere Wege geht. Nach über zehn gemeinsamen Bühnenjahren haben wir Barbara würdig verabschiedet, Blumenstrauss und Standing Ovation inbegriffen.

Und dennoch wird es nicht unser letzter Abend in der alten Moschti gewesen sein. Next year, same place. Promised.

Blues Green am 28. Januar 2023 live in der Petite Pinte, Farvagny FR. (Video: Benoît Perritaz)

 
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