Raus aus dem Museum I

Digitalisieren war gestern: Bibliotheken und Museen, die ihre Bestände in digitaler Form erfassen, sind noch längst nicht im Informationszeitalter angekommen. Daten sind nämlich bloss Daten und noch lange keine Information, geschweige denn Wissen. Dazu braucht es neue Kontexte und neue Anwendungen. Zum Beispiel Games, online und auf dem Smartphone; je verquerer, desto besser. Denn Games können viel mehr als bloss unterhalten: Games lassen die Menschen in reale und virtuelle Welten eintauchen. Sie sind Bühnen der Imagination, und sie sind Kunst.

Daher: Daten raus aus den beschaulichen Musentempeln und rein in die wilden Hackdays. Kooperationen mit Entwicklern, Gamedesign- und Kunsthochschulen, Online-Competitions und Kulturdaten-Roadshows, Aus- und Weiterbildungscamps – und vor allem Gamification: Die Kulturdaten und Computergames sind der Nährboden für eine neue Digitalkultur. Erste Schösslinge habe ich, bereits zum zweiten Mal, in einer Session an der re:publica in Berlin gegossen.

«Raus aus dem Museum!»: Session im Rahmen der re:publica auf Stage L im Deutschen Technikmuseum. (Video: re:publica, CC BY-SA)

Dun Carloway

Dun Carloway, Broch an der Westküste der Isle of Lewis, Äussere Hebriden, Schottland.

 
 
 
 
 
 

2:31

Broch (mp3), Radio SRF 2 Kultur, 25. Januar 2017

Elite

Elite kommt vom französischen élire, «auswählen», und genau das ist es, was Eliteschulen tun. Sie bilden aus, sie stacheln den Ehrgeiz an, und sie selektieren rigoros. Die Juilliard School in New York, das Central Saint Martins College in London, die École nationale de cirque in Montreal, die École nationale d'administration in Strassburg, die staatliche Akademie für Choreographie in Moskau, Kaospilot in Aarhus: Eine virtuelle Reise zu den renommiertesten Talentschmieden der Welt.

Dieser Text entstand im Auftrag der LGT-Bankengruppe, Vaduz, und ist Ende März 2019 im Magazin «Credo» erschienen.

 
 
 
 
 
 

2:03

Elite (mp3, ogg), Radio SRF 2 Kultur, 28. März 2014

 

Reprise

11. März 2004, in einem Bandraum irgendwo im Berner Untergrund: Vor genau 15 Jahren schickten sich «The Chicago Seven Swing & Blues Revue» (heute: «Blues Green») an, eines der grossen Sax-Soli der Jazzgeschichte zu reanimieren. Und siehe da: Sonny Rollins' «You Don't Know What Love Is» begann wieder zu atmen.

 
 
 
 
 
 

7:44

The Chicago Seven Swing & Blues Revue (Max Ziegler ts, Jean-Luc Gassmann p, Christoph Thiel g, Cornel Sidler dr, Thomas Weibel b, mp3, ogg), 2004.

Jurep 2.0

Im vergangenen Sommer sind sie von vier meiner Studierenden ausgebildet worden; heute treffen sich die Jugendreporterinnen und Jugendreporter in der Stockhorn-Arena Thun zu einem Auffrischungskurs. Medienethik, Journalismus und Filmen stehen auf dem Programm. Im Rahmen des Forschungsprojekts «Leonardo multimedial» stellen wir, ein Team von Multimediaproduzenten und Sozialwissenschaftlern, die Unbefangenheit und das Geschick Jugendlicher im Umgang mit neuen Technologien in den Dienst der Wissenschaftskommunikation. Und ab nächster Woche werden die Kinder und Jugendlichen für den neu gegründeten Verein «Jurep 2.0» im Einsatz stehen: als junge, aber mit allen Wassern gewaschene Multimediareporterinnen und -reporter.

Gamificate III

«Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt» stellte Friedrich Schiller in seiner Abhandlung «Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen» fest. Spiele sind Bühnen der Imagination, und sie lassen erleben, was sich in der Realität eigenem Erleben entzieht. Homo ludens: Spielen ist Erfahren und Lernen, Spielen ist Kultur, und Spiele sind Kunst. Das Spiel ist ein immersives, ganzheitliches Erleben, ohne das der Mensch nicht wäre, was er ist.


Backgammon (Javascript): Illustration aus «Nerdcore».

Spielen von A bis Z, oder zumindest von «Backgammon» bis «Würfel», in jeweils 100 Sekunden: Backgammon, Counterstrike, Jassen, Laffer, Larry, Mahjongg, Mastermind, Monopoly, Myst, PacMan, Pong, Rubikwürfel, Schach, Second Life, Solitaire, Spiel des Lebens, Spielkarten, Sudoku, Tetris, Tic Tac Toe, World of Warcraft, Würfel.

 

Gamificate II


Pong: Illustration aus «Nerdcore»

Computerspiele sind fester Bestandteil der Alltagskultur. Die Game-Industrie macht Milliardenumsätze, und Autoren und Zeichner erschaffen immer komplexere digitale Welten. Kein Wunder, dass Computerspiele auch von der Kultur entdeckt werden. Schon vor neun Jahren hat die schweizerische Kulturstiftung Pro Helvetia Computergames zur neuen Kunstform erkoren, Seite an Seite mit Musik, bildender Kunst, Literatur und Theater. Und doch werden Gamer noch immer belächelt. Zu unrecht.

 

A propos Games:

 
 
 
 
 
 

28:29

Die Kultur entdeckt die Computerspiele (mp3), Radio SRF 2 Kultur, 30: März 2011

 
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