Kopernikus, der Ketzer

Die Illustration mit den kreisförmigen Umlaufbahnen der sechs damals bekannten Planeten war eine wissenschaftliche Revolution, denn im Zentrum des Modells stand nicht länger die Erde. Die Schrift mit dem Titel «De revolutionibus orbium cœlestium», die Nikolaus Kopernikus 1543 kurz vor seinem Tod veröffentlichte, stellte — nach zwei Jahrtausenden geozentrischen Denkens — vielmehr die Sonne ins Zentrum des Planetensystems. Damit stiess Kopernikus auf erbitterten Widerstand der Religion, erst der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon, danach von Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf, am Ende auch der katholischen Kirche, die das Werk 1616 gar auf den Index verbotener Schriften setzte. (Mein neuer Text im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums und auf Watson.)

Das heliozentrische Planetensystem nach der Vorstellung des Nikolaus Kopernikus, «De revolutionibus orbium cœlestium» (1543), liber primus, Folio 9 verso. (ETH Zürich)

Grund genug, der für die Astronomie so bedeutenden kopernikanischen Wende Tribut zu zollen: Meine Webapp ermittelt die augenblickliche ekliptikale Länge der damals bekannten Planeten Merkur, Venus, von Erde und Mond, des Mars, Jupiter und Saturn. Anschliessend lässt die Animation die Zeit verstreichen, fünf Tage pro Sekunde. Die Leiste am unteren Bildschirmrand zeigt das jeweilige Datum an. Der Stop-Button setzt das Modell auf das aktuelle Datum zurück; der Fast-forward-Button startet die Animation neu; der Play-Button verlangsamt sie auf einen Tag pro Sekunde.

Eine astronomische Revolution für den Desktop und fürs Handy: Was vor 480 Jahren noch ein Kupferstich war, lässt sich heute mit HTML, CSS und Javascript zum Leben erwecken.