Homo ludens


Backgammon (Javascript): Illustration aus «Nerdcore».

Wenig hat sich in den letzten 40 Jahren so drastisch verändert wie das Spielen. Einfache Brett- und Gesellschaftsspiele blicken auf eine lange Geschichte zurück - Würfel und die Vorläufer des heutigen Backgammon, ein Strategiespiel für zwei Spieler, sind bis zu 5000 Jahre alt. Das Videospiel «Pong», 1972 vom Fernsehbauer Magnavox in den USA auf den Markt gebracht, läutete eine spieletechnische Revolution ein, und heute werden sogenannte MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role-Playing Games) von Abermillionen Kindern und Jugendlichen gespielt, Spiele, an denen nicht mehr nur zwei oder vier Spieler, sondern eine potenziell unendliche Anzahl Teilnehmer beteiligt sind.

Solche Games sind ihres Gewalt- und Suchtpotenzials wegen in Verruf geraten. Doch bei allen Unterschieden der Spieltechnologie sind Spiele geblieben, was sie immer waren: erzählte Geschichten, die den Spieler durch eigenes Entscheiden und Erleben an der Handlung teilhaben lassen. Oft handeln sie von Krieg: Schach etwa ist ein stilisierter militärischer Feldzug, Backgammon erzählt die Geschichte zweier geschlagener Armeen auf dem Rückzug, World of Warcraft ist die Geschichte der Erkundung einer feindseligen Welt, in der ein Fortkommen nur durch soziale, kollaborative Strategien möglich ist.

Die immanenten Narrationen mögen expliziter geworden sein, doch sie verfolgen seit Jahrtausenden unverändert ein und denselben Zweck: Den Spieler in eine Welt zu entführen, die er qua eigener Imagination ausgestaltet, die er kompetitiv oder kooperativ handelnd erkundet und die seiner Fantasie eine narrative Kulisse verleiht. Spiele lassen erleben, was sich in der Realität eigenem Erleben entzieht. Homo ludens: Spielen ist Erfahren und Lernen, Spielen ist Kultur, und Spiele sind Kunst. Als Bühne der Imagination bietet das Spiel ein immersives, ganzheitliches Erleben, ohne das der Mensch nicht wäre, was er ist.

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Radio ist ein Toaster

Walkman: Illustration aus «Nerdcore»

Ich wollte nie ein Radiomacher werden. Ich war schreibender Journalist und basta. Am Ende kam das Radio zu mir wie die Jungfrau zum Kind. Selbst nach Jahren als Programmreferent des Schweizer Kulturradios wäre mir nie eingefallen, mich einmal selbst ans Mikrofon zu setzen. Zweierlei hat das geändert.

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Der Bleistift

Bleistift: Illustration aus «Nerdcore»

Er ist so richtig altmodisch. Retro, wie das heute heisst, aber nicht auf diese hippe Art, sondern altväterisch bis ins Mark aus Graphit und Ton: der Bleistift. Die Welt ist voll von Kugelschreibern, Computerkeyboards und Handytastaturen, doch nichts kommt an ihn heran. Der Bleistift ist und bleibt unerreicht.

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Nerdcore

Nerd: Illustration aus «Nerdcore»

Der Nerd ist ein unterschätzter Zeitgenosse. Als Nerd bezeichnen wir den Computerfreak und Fachidioten, jenen blassen, pickligen Milchbart, der seine Zeit vor Computer und Spielkonsole verbringt, bei dem eine unterbrochene Internetverbindung schiere Existenzangst auslöst und der ohne Pizzalieferdienst dem Hungertod anheim fiele. Dabei vergessen wir nur allzu gern, dass wir ohne die Nerds dieser Welt nicht wären, wer wir sind: kein Web, kein Computer, keine Software, keine Games. Die Vorstellung vom asozialen Nerd ist nichts als eine Mär.

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Kartoffelkultur

Radio: Illustration aus «Nerdcore»

«Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern», lässt Friedrich Schiller die Eidgenossen im Nationalepos «Wilhelm Tell» schwören. Vor allem ein einig Volk von Bauern, wird er sich gedacht haben, denn «Kultur» kommt vom lateinischen Wort für «bebauen», und wir Schweizer sind fest verwurzelt im Boden einer bäuerlichen Tradition. Zeitgeist ist uns a priori suspekt.

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Der Urcomputer

Computer: Illustration aus «Nerdcore»

Die Entdeckung eines unscheinbaren Bronzeklumpens in den Überresten eines Wracks aus der Antike zeigt: Die alten Griechen waren in der Lage, analoge Computer zu bauen. Der 2100 Jahre alte Mechanismus von Antikythera war ein leistungsfähiger astronomischer Rechner.

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